„Das [Schnell und] Langsam“ im Karate: Waza no kankyu (技の緩急)

Ein Zeichen fortgeschrittenen Karates soll die langsame Bewegung sein. Sich langsam zu bewegen sei eine Eigenschaft eines „Virtuosen“ (jap. Tatsujin, 達人), so Yokoyama Kazumasa.

In der Tat bewegen sich die Älteren eines Dojos eher „gemächlich“, während dabei Struktur und Wirksamkeit sichtbar werden. Es ist eine andere Qualität als das, was bei Kata-Athleten zu sehen ist: weiche Übergänge von einem Bewegungsabschnitt zum anderen (nicht von „Technik zu Technik“) sowie das von Funakoshi angeführte „Schnell und Langsam“ (jap. waza no kankyu, 技の緩急). Im Iaido findet sich das wieder in der Abwesenheit hastiger Techniken beim Ausholen oder dem Wechsel der Richtung.

„Hast“ bzw. deren Nichtvorhandensein ist eine adäquate Beschreibung dessen, was die Grenze zum sportlichen Karate sichtbar macht. Daraus folgt, daß es keinen „Rhythmus“ innerhalb einer Kata geben kann, wenn Pausen (wie innerhalb der Wettkampfkata zu sehen sind) keine sind, da der Bewegungsverlauf im Idealfall nie abreißt. Nota bene: Eine Kata besteht aus einer einzigen bzw. unendlich vielen Bewegungen.

Wozu das gut sei? Zum einen ist es besser für den Körper, denn Anfahren und Vollbremsung irgendeines Ausdrucks wegen gehen zu Lasten der Gelenke. Über die Jahre werden Schmerzmittel u.U. zum ständigen Begleiter eines Athleten, wenn Faszien und Sehnen als Sicherheitsgurte fungieren. Das sollte natürlich so nicht sein – sowohl für Athleten als auch Nicht-Athleten.

Zum anderen ist eine Bewegung, die dem ganzen Körper Zeit lässt zu folgen, in ihrer Wirksamkeit hinsichtlich der Übertragung von Kraft schon per definitionem sinnvoller, als einen vordefinierten Punkt ohne Bezug zu Maai (jap., 間合い, Distanz) und Timing mit Kraft anzusteuern.

Im u.a Video ist dies in der ersten Kata gut zu sehen. Die zweite Kata zeigt den Unterschied zwischen den „Rängen“ bzw. Dan-Graden (jap. dan’i, 段位) der Akteurinnen. Die Kata der zweiten Akteurin ist „jünger“ bzw. schneller.