Karate… die Kunst des Facepalmings

In Anlehnung an meinen Beitrag auf dem Blog des Momiji-Dojos hinsichtlich kultureller Sensibilität bzw. der Abwesenheit dieser, reiche ich die folgenden Fundstücke nach.

Daß Budo bzw. Karate eine weltweite Community hervorgebracht hat, bedeutet auch die entsprechenden Phänomene von Begeisterung, Fandom und Identitätsbildung. Menschen lieben Karate, es gibt ihnen Halt, Anerkennung und das Gefühl, etwas Besonderes zu tun. Soweit ist alles gut.

 

Irgendwann patzt jeder

Aber es ist bei der individuellen Verortung in einer kulturell anders gestalteten Ästhetik nicht unwahrschenlich, daß es früher oder später zu Aussagen und Handlungen kommt, die verletzen, diskriminieren oder von mangelnder Reflexivität zeugen. Am Ende ist es entweder eine erneute Orientalisierung oder einfach nur Dummheit. So auch in diesen beiden Beispielen:

Abb. 1

Ausgehend von Bildern wie diesem (Abb. 1), die man auf Facebookseiten über Karate finden kann, empfinde ich manche „Begeisterung“ schlichtweg peinlich oder – wie in diesem Fall – sogar beschämend.

Kulturelle Setzungen verteufeln Tattoos immer noch hier wie dort, während sich die Akzeptanz unterschiedlich entwickelt. Tattoos sind in Japan auch weiterhin ein delikates Thema. Aber es gibt tatsächlich „Okinawa-Tattoos“. Und die sind alles andere als begeisternd. (Bitte dazu den folgenden Artikel lesen.)

Exhibition traces history of Okinawa tattoo tradition that became a mark of shame

 

 

 

Manchmal wird’s auch blöd

Abb. 2

Karate-Begeisterung, die besser nicht hätte gepostet werden sollen, findet sich zuhauf in den sozialen Medien. Ein unbedachtes Wort, eine fehlende Redaktion der eigenen Beiträge oder ganz einfach interkulturelle Inkompetenz bilden die Ursache.

Das Shuri-Schloss, das Wahrzeichen Okinawas und identifikatorischer Ort für Karateka in der ganzen Welt, ist am 30. November aus bisher noch unbekannten Gründen völlig niedergebrannt. Diese Tatsache hält den deutschen Karate-Adepten natürlich nicht davon ab, in vollendet „abendländischer“ Manier auf andere Vorzüge Okinawas hinzuweisen (Abb. 2).

(Fortsetzung folgt)