Sind wir wirklich alle gleich?

Es ist unheimlich schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, einfach jemanden durch das Nachmachen von Bewegungen bzw. Techniken zu einem gesunden und funktionalen Bewegungsstatus zu führen – von effektivem Schlagen, Treten, Werfen usw. mal abgesehen. Das ginge nur mit den Wenigsten.

Nicht jeder fängt bei Null an, sondern bringt Fehlhaltungen und -verhalten mit, die nicht als solche zu erkennen sind. Die Aufmerksamkeit auf den Körper und in das eigene Gefühl dafür zu lenken ist das, was Lehrer (Therapeuten, Kampf- und Bewegungskünstler, Tänzer usw.) in Europa und vor allem in Deutschland vermitteln können sollten.

Wie soll man Hangetsu, Sanchin usw. unterrichten, wenn man nicht die Zustände im Körper fixen kann, die die notwendige Atmung verhindern? Tenouchi ist toll, wenn es nicht aus den Schultern kommt. Und der Tsuki wird weder durch Liegestütze noch durch irgendeine „Explosivkraft“ in den Beinen besser.

Körperverständnis kommt nicht vom Sich-im-Training-Schlagen oder durch erzwungene Gewalterfahrung. Es ist das Ergebnis einer Lernprozesses, der die Fähigkeit zum kritischen Hinterfragen voraussetzt.

Kampfkunst ist/ muss/ kann/ sollte auch Therapie sein.